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Nachdem ich am Freitag meinen letzten
Schultag als Stellvertreter in Schwyz hatte, konnte es am Abend endlich
losgehen. Nil holte mich um 22 Uhr mit dem gemieteten Chevrolet Kalos ab.
Wie immer hatten wir uns das Auto beim Ilg in Frauenfeld besorgt. Im
Gegensatz zu den letzten zwei Jahren war des diesmal ein eher kleines Auto.
Das richtige Beladen war deshalb wichtig, denn nur so hatte auch alles
Platz. Als dann doch noch alles in unserem roten Flitzer drin war, ging es
los in Richtung Osten.
Gleich auf den ersten Kilometern fiel uns dabei der erste Mangel der Karre
auf. Der Zwölf-Volt-Anschluss funktionierte nicht, so konnten wir das TomTom
tagsüber nicht laden. Da wir über gutes Kartenmaterial und im Kosovo über
Ortskentniss verfügen, war dies jedoch nicht so ein grosses Problem. Wir
schalteten das Navi aus und fuhren ohne seine Hilfe in Richtung Ländle und
Österreich. Als wir das Fürstentum Lichtenstein erreichten, war es ca. 23
Uhr. Leider hatte um diese Zeit keine Tankstelle mehr offen, wir mussten
deshalb ohne Pickerl nach Österreich einreisen. Da es auf den
Autobahnraststätten in Österreich jeweils Werbung für den Verkauf des
Pickerls hat, rätselten wir, ob man vielleicht erst beim verlassen der
Autobahn eine Vignette braucht. Wir entschieden uns ohne Vignette auf die
Autobahn zu fahren. Bei der Auffahrt auf die Arlbergstrasse in Feldkirch
entdeckten wir allerdings noch eine hell erleuchtete Tankstelle. Nil drehte
deshalb in der Einfahrt. Die Tanke hatte tatsächlich offen und wir kamen
doch noch zum Pickerl.
Kaum war das Teil angeklebt und wir auf der Autobahn, mussten wir auch
wieder runter. Die Polizei machte eine Grosskontrolle. Man kontrollierte
dabei kurz unsere IDs und schickte uns dann wieder auf die Reise. Bevor wir
jedoch weiter fuhren, fragten wir, wies denn sei mit dem Pickerl. Der
Polizist antwortete uns, dass es 120€ kostet, wenn man ohne das Kleberchen
auf der Autobahn erwischt wird. Da hatten wir ja nochmals Glück! Wieder auf
der Bahn ging es hoch zum Arlberg wo wir ohne Probleme durch den Tunnel
kamen. Kurz vor Innsbruck schlug bei mir dann der Sandmann zu. Ich nickte
ein, währenddem Nil weiterfuhr. Er hatte nämlich am Nachmittag frei und
etwas vorgeschlafen, so konnte ich mich beruhigt schlafen legen.
Nil steuerte derweil durch die Nacht. Die Fahrt ging nun durchs Inntal bis
Rosenheim. Dort hätte er bei strömenden Regen fast den Abzweiger nach
Salzburg verpasst, erklärte er mir später. Währenddem ich noch immer
schlief, gings an Salzburg vorbei den Tauern hoch. Nun erwachte auch ich
allmählich wieder. Wir passierte sowohl den Tauern- wie auch den
Katschbergtunnel ohne Probleme und kauften uns bei der Mautstation auch noch
die Slowenen-Vignette. Dann führte uns die Fahrt durch die Karawanken. In
Jesenice angekommen machten wir einen ersten Fahrerwechsel. Es war nun halb
sechs Uhr und Nil war langsam müde. Ich setzte mich ans Steuer und lenkte
unsere Karre in Richtung Ljubljana und Zagreb. Wie ich feststellen konnte,
war nicht nur das Auto klein, nein auch der Motor gab nicht gerade viel her.
Auf einer kleinen Steigung gelang es mir, trotz durchdrücken des Gaspedals,
nicht, die Karre auf mehr als 100km/h zu beschleunigen. Ich war deshalb
froh, dass es bald wieder bergab ging. Nach rund einer Stunde einsamer
Fahrt, erwachte Nil aus seinem Schlaf und meinte ich solle doch kurz
abfahren, er müsse aufs Klo. So sind wir irgendwo hinter Nove Mesto runter
um unsere Blasen zu leeren. Bei der Gelegenheit setzte sich Nil wieder ans
Steuer. Er meinte ihm ginge es nun wieder besser, währenddem ich bereits mit
der Müdigkeit zu kämpfen hatte.
Wie auf Schienen ging es weiter in Richtung Osten. Vorbei zog die kroatische
Grenze. Mit ihr war auch das schlechte Wetter vorbei. Die nächsten Kilometer
fuhren wir in der Morgensonne. Der strahlend blaue Himmel bekam erst wieder
Wolken, als wir uns der serbischen Grenze näherten. Es schien, als hätten an
diesem Tag nur die Kroaten Aktien fürs schöne Wetter gekauft.
In nun stärker werdenden Bewölkung ging es weiter durch Belgrad. Etwas
hinter Belgrad fragte ich mich, wieso ich eigentlich nasse Füsse hatte. War
etwas im Fussraum ausgelaufen? Die Suche ergab, dass die Cola-Flaschen, die
ich dort unten lagerte noch heile waren. Also suchte ich weiter.
Schliesslich entdeckte ich unter der Fussmatte einen See. Eine Analyse der
Flüssigkeit ergab, dass es sich hierbei um Wasser handelte. Ein defekter
Schlauch der Klimaanlage leckte genau unter meinem Sitz. Neben dem defekten
Zwölf-Volt-Anschluss war das schon die zweite kleinere Panne unserer Kiste.
Wir hofften, das neben diesen Kleinigkeiten nicht noch was grösseres kommen
würde. Der See war nun allgegenwärtig. Als ich in der Gegend von Nis meinen
Blick von der Fussmatte aufrichtete und in die Landschaft blickte, sah ich
dort ebenfalls Wasseransammlungen. Wahrscheinlich hatte die Region in den
vergangenen Tagen etwas viel Wasser abgekriegt. Da hofften wir natürlich,
dass wir als Kompensation in den nächsten Tagen etwas besseres Wetter
kriegen würden.
Vorerst wurde dieser Wunsch jedoch nicht erfüllt, denn kaum waren wir von
der Autobahn runter und auf der schlechten Strasse in Richtung Grenze in
Merdare unterwegs, begann es auch schon zu regnen. Trotz des Regens und der
schlechten Strasse kämpften wir uns aber auch noch die letzten Kilometer bis
zum Kosovo durch. Blieben noch die Zollformalitäten in Merdare, die wir
erfreulich flott abwickeln konnten. Überraschender Weise hatte sogar der
Serbe ein Lächeln drauf.
Nun stand der Einreise nichts mehr im Weg und schon strebten wir Pristina
entgegen. Dort angekommen, navigierten wir uns so gut es ging zum
Mörderkreisel. Von diesem wars dann nur noch ein Katzensprung bis zum
Bahnhof von Fushë Kosovë. Dort angekommen, erkundigten wir uns, ob denn
Zyrafete Berdynaj zu gegen war. Sie arbeitete an diesem Samstag jedoch
nicht. So riefen wir Michael Frick an, der mit einer Reisegruppe unten war.
Er meinte, dass er mit seiner Reisegruppe auch gleich zum Bahnhof kommen
würde. Schliesslich waren wir rund 20 Fotografen am Bahnhof. Gemeinsam
hatten wir ein Ziel. Den Zug nach Pejë im Bahnhof zu machen. So gut es ging
verteilten wir uns auf dem Gelände und schossen dann den Zug. Einziger
Mangelpunkt war, dass es an der Ausfahrt keine Sonne hatte. Der Zug bestand
aus drei Schlieren bespannt mit der Nummer 007. Die Garnitur mit Lok und
Schlieren ist übrigens Standard. Im Verkehr nach Pejë verkehren nur mehr
lokbespannte Züge mit zwei bis drei Schlieren. Dafür gibt es nun nach Han i
Elezit zwei Triebwagenleistungen. Neben den beiden Triebwagenleistungen
verkehren auch zwei lokbespannte Züge. Diese verkehren mit SJ-Wagen, die
ebenfalls die neue Schlierenlackierung gekriegt haben. |
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Bei den Loks war die 006 noch immer
kaputt. Sie hat nun zwar den Trafo zurückbekommen, allerdings wurde die Lok
mittlerweile als Ersatzteilspender missbraucht. Wir fragen uns an dieser
Stelle, ob man die 006 wohl jemals wieder im Betrieb sehen wird?
Kommen wir aber zurück zum Tagesgeschehen. Ein Blick auf den Fahrplan zeigte
uns, dass noch der IC aus Skopje kommen sollte. Es war jedoch noch ein Stück
hin bis zum Zug. Wir erkundigten uns deshalb bei Michael, wo denn das Hotel
sei, das er uns gebucht hatte.
Mit seiner Beschreibung machten wir uns auf den Weg in Richtung Bardh. Wie
wir feststellen durften war nun die Strasse in Richtung Flughafen fertig und
konnte in einem Bruchteil der Zeit von 2009 befahren werden (5 statt 30min).
Ausserdem würden uns die beiden neuen Brücken über die Bahn wohl auch neue
Stellen bescheren. Beim Hotel angekommen checkten wir kurz ein und
begutachteten unser Zimmer.
Dies war eigentlich in Ordnung, nur das Klo würde ich als eher kreativ
bezeichnen. Dies war aber alles (noch) nicht so wichtig, denn nun wollten
wir ja noch den Zug aus Skopje machen. Wir fuhren deshalb zum Bahnhof, wo
wir mit Jan und Nico, zwei Kollegen von Nil, aufsammelten. Zusammen gings
runter nach Lipjan, wo es allerdings schon viel Schatten hatte, Wolken sei
Dank.
Wir fuhren deshalb den Weg nach Fushlot runter und stellten uns beim
dortigen Haltepunkt auf. Es stellte sich dabei die Frage ob der Zug wohl im
Licht kommen würde. Ziemlich viel Siff am Himmel prophezeite leider nichts
Gutes. Zudem war der Zug noch verspätet. Diese Verspätung war allerdings
unsere Rettung. Denn nach der Planzeit besserte sich das Wetter merklich.
Nun stand einem guten Bild vom IC nichts mehr im Wege. |
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Zu unserer Freude war der Zug mit der
005 bespannt, die Michael Frick die Woche zuvor neu gestrichen hatte.
Zufrieden rauschten wir nach Pristina ab. Wir hofften, dass dort noch was
gehen würde. Es war jedoch schon zu spät. Die Sonne hing zu tief, so dass
wir den Zug nicht mehr umsetzen konnten. Zum Abschluss des Tages gings mit
der Reisegruppe zum Essen. Michael führte uns dabei in ein Restaurant, das
ziemlich versteckt am Stadtrand von Pristina lag. Anhand der Gäste schien es
ein Geheimtipp zu sein. Das Essen war dann auch vorzüglich. Es war ein
letztes Highlight unter einen sehr langen Tag.
Nach der Rückkehr ins Hotel, war schliesslich noch die Pflicht angesagt.
Sprich ich musste noch diese Zeilen hier schreiben. Nachdem ich dies nun
auch geschafft habe, gehe ich noch kurz unter die Dusche, ehe ich mich ins
Bett lege. Eine Tätigkeit, die ich seit fast 33 Stunden nicht mehr gemacht
habe! (Anm. von Nil: Stimmt, aber die X-Stunden die du im Auto gepennt hast
dürfte man nicht vergessen ;)). |
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