Tag 1: Samstag, 30.01.2010 Schweiz - Marrakech

 

 

         
   

Lasst den Urlaub beginnen! Heute ging es los, endlich, nach fast 6 Monaten arbeit ohne Urlaub wurde es auch Zeit. Was alles unsere (bescheidene) Vorbereitung wert war sollten wir also heute erfahren. Der Tag begann gemütlich um etwa 10 Uhr, eile war keine geboten, der Flieger geht erst um 15 Uhr in Basel. Mit S-Bahn und ICE ging es bis Basel wo wir uns ein kleines Mittagessen gönnten ehe wir mit dem Bus zum Euro Airport fuhren. Basel – Mulhouse, ein Flughafen von Welt, und nachdem wir einmal quer durch den Duty-Free bereich gejagt wurden standen wir am Gate. Es war gut etwas los und die ersten „Marrokanisch aussehenden“ Personen waren auszumachen. Als das Gate geöffnet wurde stöhmten dann auf einmal zahlreiche Personen von überall her dem Ausgang entgegen, dank guten Pendelerfahrungen standen wir aber relativ weit vorne und enterten uns so eine 3er Reihe schön weit hinten im orangen A319.
Heieiei, diese EasyJet Flugzeuge sind grausam Eng bestuhlt, da ist jede S-Bahn ein Segen dagegen. Wir quetschten uns dann in unsere Reihe, schnallten uns an und amüsierten uns über all die Leute die nicht so schnell im Flieger waren wie wir und nun krampfhaft versuchten einen Platz neben den Kollegen oder Familienmitgliedern zu finden. Nicht selten musste die Cabin Crew den Leuten helfen und organisieren. Ob da dann eine Platzvergabe beim Check-In nicht einfacher wäre?
Nachdem die Flügel enteist waren, da gibt’s rote und grüne Flüssigkeit, ging’s pünktlich los. Schnell waren wir über den Wolken und strebten in der Sonne gen Süden. Die erste Runde der Minibar liessen wir fahren mit dem vorhaben bei der zweiten Runde dann etwas zu mampfen. Die Cabin Crew liess sich aber gut Zeit, dass uns wiederum Zeit blieb für ein Nickerchen, für das lesen des neuste SERs und zum Ausdiskutieren einiger Details. Die zweite Runde kam dann nur von vorne, was uns in den hintersten Reihen etwas auf den Sack ging und so kam es fast wie erwartet, mitten im zweiten Mittagessen setzten wir zur Landung an und mussten die Tische hochklappen. Der Flug über Marokko, ab da zeigte sich der Boden häufiger, war recht nett, immer Parallel der Küste flogen wir die letzte Stunde bis zur Landung. Wüste, einige Hügel und viele Plantagen vor Marrakech waren zu sehen, wie erwartet und erhofft.
Mit der untergehenden Sonne setzten wir in Marrakech auf der Piste auf, auf die Minute pünktlich. Links von uns stand ein Norwegischer Flieger, rechts von uns eine Ryanair Kiste ... weiter hinten standen noch zwei grosse Frachtmaschien der US Army (warum auch immer).
Beim aussteigen war es schön warm, die Mütze blieb daher gleich in der Tascheu und die Jacke auf der Kameratasche. Ohne Umweg wurden wir ins Gebäude geführt, fast als erste. Eine ganze Batterie von Zollhäuschen wartete auf Kundschaft und wir stellten uns gleich beim ersten hin. Als dann alle neben und die paar vor uns alle so einen weissen Zettel im Pass hatten begannen wir etwas zu zweifeln. Wir hatten schon gesehen da am Eingang, diese Zettel ... hielten sie aber, Werbung oder so? ;) Auf jeden Fall fühlten wir uns dann etwas genötigt diese Zettel zu holen uns auszufüllen, ohne das wir den Platz in unserer Schlange preisgeben mussten, weil die Halle war jetzt voll. Wir füllten alles aus, bis auf die Adresse, weil .. wir sind ja nirgends fix. Wipf war dann der erste am Zoll, da meinte der grämige Zöllner aber sofort, die muss da noch hin. Also zogen wir uns wieder zurück an unsere Säule und schrieben irgend ein Hotel aus dem Reiseführer auf den Zettel, Hotel Ouduya in Marrakech, oder irgend sowas. Ist ja egal, es wurde gefressen und wir waren drin, in diesem Afrika.
Gleich hinter der Gepäckausgabe, wir waren recht fix durch, stand man in der grossen Ablug und Ankunftshalle welche einem Gast gleich zwei Dinge vermittelt, 1) Wir haben Geld, unser Flughafen ist gross, Modern und Architektonisch modisch und 2) DU bist in Afrika. Irgendwie genau so stellt man sich das vor, so kennt man es aus dem Fernseher, die Architektur passt einfach.
Nächstes Ziel war die Autovermietung wo wir unseren Wagen reserviert hatten, die Budget Vermietung war schnell gefunden und die etwas demotiviert wirkende Dame dahinter begann gleich mit der Arbeit. Dauerte recht lange und auch der Zusatzfahrer wollte noch fein säuberlich notiert werden. Dann wurde uns ein Mann zur Seite gestellt welcher uns zum Auto führen soll. Draussen war es schon fast komplett dunkel und in lauen etwa 15°C liefen wir einmal über einen riesen Parkplatz bis zum Mietwagen. Gleich neben dem grossen Taxistand waren die abgestellt und auf dem Platz vor den Fahrzeugen waren gerade etwa zwei dutzend Personen dabei mit Allah zu sprechen. Sie liessen sich aber nicht von uns stören und machten weiter. Unser Mietwagen war wirklich, was ich irgendwie geil finde (Rumänien lässt grüssen) ein Dacia Logan ;). Der Mitarbeiter welcher uns zum Wagen führte begann dann fein säuberlich sämtliche Schäden am Fahrzeug in das mitgebrachte Papier einzutragen, ich mit dem Schlüssel wollte den Wagen dann mal öffnen – was nicht passte. Hm, beim Druck auf den Öffner machte es etwas weiter hinten clack und da stand noch ein schwarzer Logan. Hoppla, also gleiches Spiel noch mal. Das Auto ist gar nicht schlecht im Schuss, überall etwas zerkratzt aber im Grundsatz läuft er wohl, bon Voiture, meinte unser Begleiter nur.
Zwecks Cashbeschaffung verliessen wir den Wagen noch mal und gingen zum Airport zurück. Ein Geldautomat wurde gefunden und wir entlockten ihm mal ein wenig Dirham. Zurück am Wagen gings los, wir hatten kein Hotel reserviert aber ein ziemlich klares Ziel, Ibis beim Bahnhof der ONCF. Da mein toller Stadtplan von Marrakech leider nicht bis zum Flughafen reichte war es etwa ein Blindflug und ich versuchte mich irgendwie das Luftbild von Google zu erinnern. Ok, es war nicht schwer, aber wir haben das Hotel auf Anhieb gefunden. Einmal links über die ganze Strasse und schon waren wir da. Klingt einfach, war aber gar nicht einfach .. denn der Verkehr in der Stadt ist freundlich gesagt, spannend, Unmengen Fahrräder und Mopeds ohne Licht, Autos überall. Die Hupe wird etwa im Faktor 100 mehr betätigt als bei uns und an jeder Kreuzung stand ein Polizist, welche immer mal wieder Mofas mitten auf der Strasse angehalten hat. Wir parkten unseren Logan in einer dunklen Ecke und gingen rein ins Ibis, welches ideal gelegen ist um einen Urlaub zu starten. Voraus reservieren hielten wir nicht für nötig, ist bestimmt nicht so viel los. Wir bereuten es in dem Moment als der viel beschäftigte Mann an der Rezeption meinte, no sorry, alles voll. Öhm, wir liessen nicht locker und er meinte dann ein Apartment sei frei, koste 1000 Dirham. Nach einem weiteren Telefon bestätigten wir und er meinte, wir sollen jetzt 5min warten. Das wir nicht in-house unterkommen dachten wir, und so war es auch. Auf einmal wurden wir raus gebeten und wir sollten einem Auto folgen. Es war also wie vermutet, er kannte noch jemand der jemand kannte und rief da an und liess uns abholen. 200 Dirhams oder so wird er auch gleich behalten haben, erklärt auch warum eine Kartenzahlung nicht möglich war. Nur etwa 1km weiter an der Ausfallstrasse nach Westen wendeten wir dann mitten auf der Strasse (Achtung, Fahrräder). In einer verdammt dunklen Ecke parkten wir und leifen der Dame hinterher in das Appartement. Da wir bereits bezahlt haben gab es eigentlich kein zurück, was aber auch nicht nötig ist, das Appartement ist nett, nicht extrem gut, aber nett. Die Dame meinte dann, wegen dem Auto sollen wir schauen, wir sollen es besser beim Supermarkt vorne Parken und dem Aufpasser ein kleines Trinkgeld geben, ausserdem sollen wir doch das Radio raus nehmen. Wir können das Fahrzeug schon stehen lassen da, aber man könne nie wissen, dunkler Ecke und so ;)
Wir verfrachteten unser Gepäck ins Appartement und fuhren gleich mal zum Bahnhof, was nach zwei versuchen gelang (der alte Bahnhof ist nicht mehr wirklich in Betrieb). Direkt an der Strasse parkten wir in eine Lücke und der Polizist welcher dabei zusah von der Strasse aus machte dann irgend eine Bemerkung zu Daniel – verstanden was er wollte haben wir aber nicht. Er lachte nur und ging davon als Daniel meinte, no France. Im Bahnhof waren wir dann erschlagen, riesig, Modern und wieder voll mit Sicherheitskräften. Los war aber nichts, nur ein Nachtzug sollte noch fahren und auf den Bahnsteig kam man auch nicht ohne Ticket. Kursbuch, oder ein Faltplan wollten wir uns besorgen, am Ticketschalter konnte man uns aber nicht helfen und an der Information meinte die Dame, wir sollten morgen wieder kommen, obwohl eigentlich noch 1 ½ geöffnet war (komisch). Wir begnügten uns dann mit dem Foto vom Aushangfahrplan, welcher aber auch fast alle Leistungen im Land abdeckt.
Abendessen gab es beim KFC in der oberen Etage, welcher gleich neben dem MCD gelegen ist, solch Moderne Infrastruktur hätten wir nicht unbedingt erwartet, auch wenn man es sich ja eigentlich denken kann. Um etwas die grossen Scheine in kleine zu verwandeln bat ich den Jungen an der Kasse mir einen 100er klein zu machen, was er nach nachfragen tat. Er wollte aber meinen 100er nicht haben dafür (hmm), obwohl ich ihn zweimal in seine Richtung schob (100% sicher das er ihn nicht schon nahm war ich aber auch nicht mehr). Während dem Essen rechnete dann Chef und er irgendwie alles nach und der Fehler wurde entdeckt. Schnell wurde der fehlende 100er eingefordert, es war ihm sichtlich unangenehm ;)
Nasch dem Mampf ging es raus, zum Auto und nach dem 180° Wenden auf der Strasse vor den Augen der Polizei waren wir schon fast am Supermarkt in der nähe vom Appartement. Wir kauften ein und liessen den Wagen mal stehen und gingen zum Türe. Nun war im EG jemand da und fragte, ob wir die vom Zimmer 6 seien, „jaja“, erwiderten wir. Ob wir einen Schlüssel für die Garage haben? „Nein .. Garage“? Als wir dann meinten unser Wagen stehe beim Supermarkt meinte sie nur, bon,bon. Wir fragten dann ob wir dem Aufpasser was geben sollen und sie machte uns etwas mit den Gepflogenheiten bekant. 5 Dirham reichen und man müsse ihm sagen, man lasse ihn über Nacht stehen, dass sei kein Problem. Der andere nahm das Geld und wir brüten jetzt im Zimmer etwas über Fahrplänen, Karten und Fotos aus dem Internet und versuchen die nächsten Tage zu planen. Auch amüsant war der Reiseführer, was man da so alles lernt ... sehr spannend.
Jetzt geht’s dann gleich ins Bett, irgend einem grösseren Tier in der Küche haben wir schon gute Nacht gesagt als es einmal quer durch gelaufen ist ... ist halt nicht Mitteleuropa.

   
         
         
       
       
         
   

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