Tag 2: Sonntag, 31.01.2010 Marrakech - Casablanca

 

 

         
   

Spannend ging auch der zweite Tag zu Ende, wieder haben wir viel erlebt. Und noch immer finde ich Marokko irgendwie ... komisch. Es ist so anders, alles ist anders, man hat es schwer mit den alten Gewohnheiten, da merke ich doch dass ich den letzten Urlaub in Norwegen hatte.
Der Tag begann heute früh, sehr früh, ich wachte irgendwann vor dem Wecker ein paar mal auf und drehte mich noch mal. Dann ging der Wecker von Daniel, welcher im Wasserpfeiffenraum auf dem Sofa schlief und wir dachten ans aufstehen. Ich hörte dann nur das David rüberfluchte, es sei erst 6 Uhr und Daniel soll sein dummes Handy noch zur Zeitumstellung zwingen. Die Konsequenz war eine Stunde mehr Schlaf. Um halb 8 dann standen wir aber endlich auf, aber nur sehr schwermütig, was nicht zuletzt dem völlig dunklen Zimmer zuzuschreiben war, denn der Vorhang war 100% dicht, die Welt hätte untergehen können und wir hätten es nicht gemerkt. In der Küche schaute ich dann das erste mal aus dem Fenster, die Sonne schien noch nicht aber der Himmel war wolkenlos, wie erhofft.
Wir räumten unseren Krams zusammen, berichteten von den Begegnungen mit Kleintieren in der Nacht (vor allem David hatte etwas zu erzählen) und machten uns fertig. Beim gang ins Bad wehte dann der leckere Duft von Abwasser und Chlor entgegen, aber selbst so was schreckt mich nicht vom Regieren ab, auch wenn das eigentlich des Königs Aufgabe ist ;).
Wir schauten uns noch mal um im Zimmer und verliessen es dann. Draussen war die Sonne noch immer nicht aufgegangen, es war relativ frisch aber wirklich, wirklich schön. Die Stadt schien um kurz nach 8 noch zu schlafen, der Verkehr war sehr übersichtlich, es war kaum etwas los. So gelang es mir auch ohne Probleme die Stadt gemütlich gen Norden zu verlassen. Wieder fiel uns die extreme Polizeipräsenz auf, an jeder Ampel und an jeder grösseren Kreuzung steht ein Polizist in weissem Mantel mit seiner Trillerpfeife und versucht irgendwie Einfluss auf den Verkehr zu nehmen. Zeitlich waren wir gut dran, denn es sollte um 9 ein Zug nach Norden fahren. Der Fahrplan ist einfach – zur vollen ungeraden nach Norden und zur vollen geraden von Norden. Für diesen Nordfahrer wollten wir mal in die Ausläufer des Gebirges im Norden von Marrakech um Sidi Bou Othmane etwas probieren. Viel Stellen gibt es für Nordfahrer bereits um 9 Uhr nicht mehr, aber wir waren frohen mutes und bogen einfach mal links von der Hauptstrasse auf eine staubige und Löchrige Sandpiste ein die in Richtung der Bahn führte. Die Landschaft war sanft hügelig, und sandig ... so richtig Wüstig, aber das Licht passte nicht für Nordfahrer. So fuhren wir mal soweit bis wir auf einen Bahnhof trafen. Mit der Absicht da nachzufragen ob auch Güterzüge verkehren fuhren wir ran und stiegen aus. In diesem Moment rauschte ein Zug von Norden her gen Marrakech, zweifelsohne konnten wir den Zug als „Taktzug“ identifizieren. Der Blick auf die Uhr offenbarte eine Verspätung von etwas über einer Stunde. Der Start in den Tag gelang also schon mal nicht ideal, denn der Nachtzug aus Tanger fuhr im besten Sonnenlicht vor unserer Nase durch. Der Bahnhof notabne war nicht besetzt und so kamen wir auch nicht zur gewünschten Info.
Wir suchten also weiter eine Stelle für unseren Nordfahrer, und wenig später an der Hauptstrasse fanden wir einen entsprechenden Feldherrenhügel welcher auch gleich noch für den nächsten Südfahrer taugte, der sollte ja auch in einer Stunde kommen. Das Auto liessen wir am breiten Strassenrand stehen, die sind hier zum Glück immer extrabreit und erlauben so ein gemütliches Parken entlang der Strassen. Auf unserem Hügel sahen wir dann das erste mal in Richtung Süden und merkten erschreckt dass uns unbemerkt eine Wolkenfront gefolgt war, sie war zwar noch weit weg, aber wie das so ist mit den Wolken kennen wir ja. Der nächste Blick galt der Uhr und wir begannen zu zweifeln, ob der Zug nach Norden den wirklich pünktlich kommen kann? In Marrakech steht laut dem Plan eine Stunde Wendezeit zur Verfügung was für normal just reicht.
Auf dem Hügel begann die Sonne zu brennen, unten führte ein Hirte seine Schafe entlang der Strasse nach Süden und pünktlich wie in der Schweiz kam der Zug aus Marrakech mit einem Franzosen hoch gefahren. Nur etwa 30min später war es Zeit für den Zug nach Marrakech, aber wie vermutet kam er zur Planzeit nicht, dafür wenig später der Schatten. Wir warteten aber trotzdem und bei ständig wechselnden Lichtverhältnissen auf dem Hügel bis er kam. Die Sonne drückte bei der durchfahrt ein wenig, trotzdem reichte es nicht den Japaner mit dem Schnellzug recht anzustrahlen.

   
         
         
       
   

Zug 604/123 von Marrakech nach Fes mit einer E1300 kurz hinter Marrakech vor Sidi Bou Othmane. Die E1300 entstammt wie man unschwer erkennen kann aus Französischer Produktion und entspricht der SNCF Baureihe 7200. 18 Stück der bis zu 160 km/h schnellen Loks stehen im Einsatz bei der ONCF. Im Zug an erster Stelle eingereiht ein Generatorwagen, welche nötig sind weil die Loks der Reihe 1300 keine Zugsammelschiene besitzen und somit keinen Strom für die Wagen liefern kann.

   
         
         
       
   

Zug 102/603 mit etwas Verspätung und einer E 1250 nach Marrakech kurz hinter Sidi Bou Othmane. Die Loks der Reihe 1250 stammen aus Japanischer Produktion (Hitachi) und wurden Mitte der 80er Jahre in 12 Stück an die ONCF geliefert.

   
         
   

Und weiter ging es im Text, die Wolken waren auf breiter Front reingezogen und wir konnten nichts anderes tun als weiter nach Norden zu fahren um uns die nächsten paar Streckenkilometer anzuschauen. Es gibt einen wirklich Fotogenen Abschnitt gleich vor Sidi Bou Othmane welchen wir uns für die nächsten Züge ausgesucht haben, aber erst nachdem wir nach dem Ort erfolglos versuchten einen Weg zur Bahn hinein zu fahren. Dabei trafen wir nur auf einen verlotterten Rbf und eine verlassene Mine, Zeitzeugen vom Abbau von Bodenschätzen in der Region, vermutlich Phosphat, wie an so vielen weiteren Stellen im Land.
Zurück etwas im Süden an der angepeilten Stelle wurden wir beim Parken erstmal von Planmässig verkehrenden Schnellzug nach Norden überfahren, so dass kein Foto möglich war. An der Stelle selbst tat sich zur Planzeit des Südfahrers natürlich wieder nichts, was auch gut war und der Sonne noch etwas mehr Zeit gab. Allah wollte es anscheinend so, dass wir bald wieder in der Sonne sitzen und schob von Süden nach den Wolken wieder blau in unsere Richtung. So kam es das der gut 45min verspätete Zug schön in der Sonne vor unseren Nasen lang fuhr. Auch dieser Zug war wieder schier endlos lang und sehr gut ausgelastet, was ich beim vorbeifahren beobachten konnte.

   
         
         
       
   

Wieder eine E 1300, mit Expresszug 106/605 nach Marrakech mit dem Ort Sidi Bou Othmane im Hintergrund.

   
         
   

Nun hatten wir wieder über 1h Pause bis zur nächsten Personenzugfahrt, mit Güterzügen rechneten wir nicht und so begaben wir uns einem weiteren wichtigen Punkt, dem Mittagessen. Laut Reiseführer ist das Mittagessen des Marokaner’s wichtigste Mahlzeit und sie will lange und ausgiebig genossen werden. Das hatten wir jetzt vor und die zahlreichen Lokale an der Hauptstrasse in Sidi Bou Othmane luden uns dazu ein, ja sie lachten uns förmlich an als wir vorbei fuhren So parkte ich die Karre an den Rand und wir schauten uns mal um, ein Lokal reihte sich dem nächsten, alle hatten einen Grill vor der Hütte, waren dahinter aber eher wie eine Metzgerei, aber nicht vergleichbar mit unseren. Vor dem Tresen hingen ganze Tiere am Stück, was es war, war nicht so klar, vermutlich Schafe. Wir begriffen nicht ganz wie das funktionieren soll bis uns ein sehr hilfsbereiter Einheimischer (welche es überall gibt) erklärte wie das funktioniert. Ganz einfach eigentlich, Fleisch kaufen am Tresen, dabei kann Tier und Fleischstück ausgewählt werden, und dann wird das ganze gegrillt auf dem Grill. Wir nahmen je 200g DINGS und setzten uns mit einer Cola und einer Flasche Wasser in den Schatten. Es dauerte nicht lange da wurde serviert, mit etwas Gemüse und leckerem Marokanischem Brot (dessen Name ich gerade vergessen habe). David verzichtete mit bedacht auf einen sensiblen Magen auf den Versuch, bereute es aber später und ass bei uns mit. Wieder gab uns der Reiseführer wertvolle Tipps, 1) da wo die Einheimischen fressen kann es so schlecht nicht sein (war der Fall) und 2) Essen mit den Fingern ist angesagt – mit der rechten Hand versteht sich was teilweise gar nicht einfach ist und ich ertappte mich immer wieder mit der Linken Hand im Gemüsetopf.
Fast eine Stunde verbrachten wir in mitten hängender Tiere und lecker duftendem Grill ehe wir gespannt auf die Rechnung warteten. 92 DH wollte man von uns, inkl. Getränk, was also etwa 13 CHF oder 9 Euro entspricht. Angesichts der Preise die wir laut Reiseführer erwarten konnten war es zwar relativ viel, aber verglichen mit dem gewohnten Preisniveau natürlich lächerlich wenig. Wir bedankten uns beim Jungen und verliessen Hupend der kleine Ort der im Wesentlichen nur aus einer Häuserzeile an der Strasse besteht, nach Norden. Wir kamen nicht weit, nur etwa 2km hinter dem Ort quert die Bahn die Strasse und macht dabei einen so grossen Knick nach links, so fest das ein Nordfahrer sogar nach Mittag mit vernünftig Seitenlicht aufgenommen werden kann. Mehr überzeugte aber der Blick für die Züge nach Süden, und so war klar, an der Strassenbrücke wollten wir warten. Da aber gleich etwas weiter vorne der Bahnhof ist wo die Züge kreuzen fuhren wir da mal hin um nach Güterzügen zu fragen und um zu erfahren, wie viel Verspätung der Südfahrer haben wird.
Güterzüge? - nicht bei Tageslicht, und der Südfahrer habe 20min Verspätung. Die Info hatten wir nach Kürze aus dem ONCF Mitarbeiter heraus gequetscht, welcher sehr freundlich und bereitwillig Auskunft gab. So fuhren wir wieder los und stellten uns, wieder unter Wolken an die Stelle. Für den Nordfahrer mussten wir eine holprige Piste bis zu ein paar Häusern rein fahren und stellten uns dann da hin. Was auffällt, obwohl man von der Lokalen Bevölkerung bemerkt wird kommen sie nicht und belagern einem, nicht vergleichbar mit der Situation im Balkan, irgendwie angenehmer (dieser Eindruck hat sich im laufe der Reise dann noch geändert). Der Zug nach Norden kam wie immer Pünktlich und wieder mit dem Japaner durch die Kurve geschlichen, und das beste daran, wir hatten Sonne.

   
         
         
       
   

Nördlich von Sidi Bou Othmane, kurz vor dem Bahnhof, rollt eine E 1250 aus Japanischer Produktion (Hitachi) mit Zug 608/131 nach Fes.

   
         
   

Eilig wechselten wir hoch auf die Brücke und warteten auf den Südfahrer, welcher wie angekündigt mit den 20min Verspätung in den Bahnhof gerollt kam. Aufgrund der sehr knappen Infrastruktur (Doppelspurausbau ist in Planung) stand der Nordfahrer die ganze Zeit im Bahnhof und nahm die Verspätung schön auf, aber Pünktlichkeit scheint in dem Land sowieso eine ganze andere Definition zu geniessen als bei uns – eher eine Italienische ;) Wir standen auf der Brücke und der Japaner mit dem Südfahrer setzte sich gaaanz langsam in Bewegung. Wir waren noch in der Sonne, de Schatten kam aber sehr schnell näher... Der Zug wurde und wurde aber nicht schneller und es dauerte ewig bis auch die letzten Wagen die Einfahrweiche passiert hatten und der Lokführer endlich den Hebel nach vorne drückte. Das ganze dauerte so lange, dass der ersten Schatten schon vorbei und wir wieder in der Sonne waren.

   
         
         
       
   

Nochmal eine E 1250, mit Expresszug 114/609 nach Marrakech, kurz hinter dem Bahnhof von Sidi Bou Othmane. Was auffällt, der Generatorwagen fehlt bei dieser Komposition, das liegt daran, dass die 1250 als einzige Baureihe der ONCF die Wagen mit Strom versorgen kann.

   
         
   

Da unser Tagesziel, entweder Settat oder Casablanca noch eine ganze Ecke weiter oben lag mussten wir uns langsam sputen, wir wollten nicht wieder im dunkeln da ankommen und die Strecke möglichst noch nach Stellen absuchen auf dem Weg nach Norden. Wir fuhren bis nach Bengureir ohne halt, ein solcher wäre auch nicht erforderlich gewesen, denn die Landschaft ist mit einem Wort beschrieben; Platt. Per Zufall fanden wir neben der Örtlichen Polizeikontrolle in Bengureir gleich noch den Bahnhof der ONCF und nutzen diesen erneut um uns ein wenig die Füsse zu vertreten, im Halblicht. Dieser Bahnhof ist insofern interessant als das ab da die Strecke nach Safi im Westen abzweigt, welche nebst wenigen Personenzugpaaren auch noch einige Phospatzüge bereithalten soll. Im Bahnhof stand zudem eine GM abgestellt, aber am dümmsten Ort, so dass kein Foto möglich war, selbst wenn die Sonne rausgekommen wäre. Der Bahnhof an sich war ein prima Motiv, er gefiel uns so gut das wir uns sogar überlegten den folgenden Südfahrer darin zu erlegen. Aber dafür sollte man sich beim Personal anmelden, gleichzeitig fragten wir ihn bei der Gelegenheit etwas über die Phospatzüge aus. 5 Stück sollen auf der Linie pro Tag und Richtung etwa verkehren, einer davon in knapp 2h etwa 1h hinter dem Personenverkehr. Fotos im Bahnhof machen können wir aber leider nicht, da müsse man den Chef de la Gare fragen und dieser sei aktuell nicht hier.
Wir wollten es dann nicht darauf ankommen lassen und verabschiedeten uns danken, um am Schalter noch nach einen „Kursbuch“ zu fragen. Ohne dass wir daran geglaubt hätten bekamen wir aber ein Stück, welches der Beamte etwas widerwillig aus dem Büro holen musste. Der Begriff Kursbuch ist etwas übertrieben, es ist ein Faltblatt welche sämtliche Verbindungen des Landes aufführt, ganz schön übersichtlich unübersichtlich das ganze ;) Nötig ist der Papierfahrplan aber nicht mehr, den seit kurzem bietet die ONCF die Fahrpläne auch als PDF im Internet an wie wir vorhin heraus gefunden haben.
Für den Personenzug fuhren wir weiter in Richtung Norden, nur wenige Kilometer hinter den Ort, ehe wir etwas mehr oder weniger ansprechendes fanden mit einem weiten Blick in die ewige leicht hügelige Landschaft. Wie wir so warteten, an Sonne war leider nicht mehr zu denken, zog von hinten ein Regenschauer auf, und pünktlich nachdem der Zug nach Süden, bespannt mit einem Japaner durch war, begann es leicht zu tropfen.

   
         
         
       
   

Unter dichtem Schleier rollt eine E1250 bei Loara Bengureir, dem nächsten Halt, entgegen. Am Hacken den aus Fes kommenden Zug 120/611.

   
         
   

Unter den Blicken eines Schäfers und seinem Helfer eilten wir zum Wagen zurück und fuhren weiter Richtung Norden. Als der Regen stärker wurde sah ich mich gezwungen den Scheibenwischer in Betrieb zu nehmen, das Ergebnis war, sicht = 0. Die Düse zur Reinigung nützte ähnlich wenig, weil sie nur auf die Beifahrerseite spritzte. Wieder erkennt man zwei Dinge an diesem Umstand, 1) Marrokanische Mietautos werden nicht gepflegt und 2) in dem Land regnet es nicht häufig, sonst wäre das dem Vermieter schon vorher aufgefallen. Durch den Regen kämpften wir uns dann weiter immer in Richtung Norden bis nach Settat wo wir eigentlich übernachten wollten. Unterwegs schauten wir immer mal wieder die Strecke an und konnten nur immer wieder sagen; hier müssen wir hin. Sehr abwechslungsreich schlängelt sich die Bahn über einen Hügelkamm und ist dabei sicherlich immer wieder bestens zu Fotografieren. Aber nicht heute, bei dem Mistwetter. Spannend war in diesem Moment des Streckengücks auch unser Kartenmaterial, ich habe mir im Vorfeld die Michelin Karte besorgt, welche im Internet als beste Marokko Karte angepriesen wird welche es ja gab.Zusätzlich, da man auf dieser Karte die Bahn kaum erkennt habe ich mir noch die Karte von Marco Polo besorgt, welche deutlich besser zu lesen ist und uns teilweise etwas genauer dünkt. In der Gegend da hinten waren die Karten aber alles andere als identisch, Autobahn, Bahn und die normale Strasse war irgendwie ganz anders drauf. Schlussendlich kamen wir zum Schluss, beide Karten stimmen nicht, die Michelin war aber eher genauer.
In Settat waren wir dann eben am Hotel suchen, was wie erwartet nicht gelang. Für diesen Fall waren wir uns schon im vornherein einig gewesen, fahren wir gleich durch nach Casablanca, den auf Projekte mit komischen Hotels wollten wir uns nicht einlassen. David war vor 8 Jahr schon mal da, und das Hotel damals war anscheinend in Loch welches seinesgleichen sucht. Auch der Reiseführer „warnte“ vor Hotels der Unterklasse, gerade die Sanitäranlagen und auch sonst die Hygiensichen Zustände seien nicht immer ganz nach unserem Standard. Da wir verdammt verwöhnte Mitteleuropäer sind wollen wir aber auf den Luxus einer Kloschüssel mit Wasserspülung nicht verzichten und stellen doch einen gewissen Anspruch an unsere Unterkunft. Am Ortsausgang, per Zufall wieder direkt hinter der Polizeikontrolle war noch das Park Hotel Settat zu finden, welches mit 4 Sternen angepriesen wird. Die grosse Anlage mit viel grün (mehr als es sein sollte) sah zwar nett aus, aber die Rezeption war dunkel und auch sonst ... könnte ganz schön versifft sein. Wir gingen so kein Risiko ein und fuhren wieder weiter gen Autobahn nach Casa. Die Autobahn funktioniert wie in Italien oder Kroatien mit dem Mautsystem, es gibt Bezahlstrecken mit Tickets und Fixe Bezahlpunkte, wo man sich Pauschal für eine Strecke einkauft, viel Kostet die Autobahn aber in beiden Fällen nicht und die kleinen Beträge eigenen sich immer prima zum grosse Scheine in kleine zu verwandeln.
Im teilweise starken Regen und bei einsetzender Dämmerung fuhren wir auf der Bahn bis nach Casa, dabei stellten wir zweifelsfrei fest, Settat – Casa ist ein Streckenabschnitt an welche man nicht fotografieren fahren muss ... platt und meist recht nah an der Autobahn. In Casa, wir hatten nur eine grobe Ahnung wo sich ein Ibis befindet, fuhren wir mal direkt auf der Autobahn in die Stadt hinein, direkt vor ein Ibis Hotel, oder besser gesagt daneben. Es war nämlich von unserer Strasse aus nicht direkt zu erreichen. Die Autobahn endete derweil in einer riesigen Verkehrsfläche, 5 Strassen kamen rein, 5 gingen wieder raus, davon 4 jeweils zweispurig, dazu ein paar Ampeln und viel Verkehr, das gibt das perfekte Chaos, aber es funktioniert erstaunlich gut. Wir fuhren erstmal rechts und wendeten später, dann erwischte ich aber die falsche Ausfahrt und so ging es im Zickzack einmal durch die nächste Seitenstrasse. Da ich dann nicht links konnte musste ich rechts fahren und beim nächsten Kreisel wenden, dann stand ich am Schluss wieder vor dem grossen Platz und das Ibis war nun zu unserer rechten. Immerhin fanden wir es dann, nachdem wir 4 der 5 Strassen an der Kreuzung mal befahren hatten ;) Einchecken im Hotel klappte Problemlos, man hatte Platz für uns und ich ging erstmal Duschen.
Abendessen war angesagt, wohin am Sonntag Abend? Ibis Restaurant war leer, was sich nicht verträgt mit der Reiseführer Aussage (Friss da wo es der Einheimische tut) und so entschieden wir uns für einen kleinen Spatziergang in der Umgebung. Es war ernüchternd, nichts hatte auf oder hatte warme Küche, dreimal wurden wir weggeschickt oder man sah von weitem, die Küche ist nicht auf, und zweimal hatte gleich das ganze Lokal geschlossen. Fressen die Marokkaner am Sonntag alle zuhause? Eine letzte Chance hatten wir dann noch, die fünfte der 4 Strassen vom grossen Platz kannten wir noch nicht und so liefen wir nach dem überqueren des Platzes (als Fussgänger noch mühsamer als als Auto) mal der Autobahnähnlichen Strasse entlang. Und da war es dann, unser Lokal fürs Abendessen.... dazu mussten wir aber erst die 4 Spurige stark befahrende Strasse überqueren, den obwohl es Infrastruktur wie Bushaltestellen (besser Kiesplatz) auf beiden Seiten gibt, gibt es weder Zebrastreifen noch Unterführung. So quetschten wir uns rüber und gingen etwas Essen. Wie wir so am Essen waren dudelte hinter uns ein Kinderkarussell, mit Delphinen und so. Und was lief für Musik zum Geschaukel? Ein Weihnachtslied, in einem Muslimischen Staat? .. ;)
Nach dem Essen mussten wir nur noch einmal quer über die Kreuzung, die Strasse und waren schon wieder beim Ibis. Im Internet in der Lobby fanden wir vorhin gerade heraus was das Wetter machen soll, und es sieht nicht gut aus. Abwarten und Minztee trinken!

   
         
         
       
       
         
   

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