-- Mittwoch, 6.8. --
~ 1072 km

Das Interrail hat, trotz seiner vielen Vorteile, auch einen ziemlich blöden Nachteil. Für den Nutzer bringt es ihm in seinem Heimatland nur 50% Ermäßigung!
Da wir auch dem Weg zu Neel in die Schweiz einmal quer durch Deutschland gemusst hätten, was für Hayo nicht wenig an Mehrkosten gebracht hätte, wollten wir eine Art "Umfahrung" über die Niederlande, Belgien und Frankreich ausprobieren.
Über diesen Umweg gab es, und gibt es wohl immer noch, genau eine Verbindung am Tag. Es sollte morgens gegen 5:30 Uhr in Norden los gehen, über Leer, Nieuweschans, Groningen, Amsterdam, Brüssel, Paris und Zürich nach Hinwil, wo wir gegen 23:30 ankommen sollten. Soweit die Planung, aber die Realität sieht immer anders aus, wie man weiss.
Die ganze Planung hätten wir fast schon am Morgen zusammenbrechen lassen, da wir, wie es der Zufall will, natürlich verschliefen. Zwar nicht viel, aber für Hektik war gesorgt. Glücklicherweise erreichten wir unseren Zug doch noch, sodass es wie geplant in Richtung Niederlande gehen konnte. Mit ein wenig Aufenthalt in Leer und guten Verbindungen in Nieuweschans, Groningen und Amsterdam ging es nach Brüssel, wo wir gegen Mittag etwas mehr Zeit hatten und uns eine Kleinigkeit zu essen besorgten.
Auch die Abfahrt mit dem Thalys in Brüssel, der uns bis Paris bringen sollte, verlief planmäßig und wir hatten schon die Hoffnung, dass sich unsere Glücksträhne in Sachen Zugverspätungen weiterführte.
Doch wie es kommen sollte, war es natürlich ganz anders. Laut Plan hatten wir in Paris 45 min. Zeit für den Wechsel vom Gare du Nord, wo der Thalys ankam, zum Gare de Lyon von wo aus es nach Zürich weitergehen sollte. Kurz vor Paris bremste der Zug auf einmal, kam zum Stillstand und stand - lange, rund 20-25 min. Wir fingen an um unseren Anschluss nach Zürich zu zittern und als es dann doch endlich weiterging, kamen auf einmal Schreie von der Zwischentür hinter uns, wo ein Kind scheinbar seinen Arm in der Tür hatten, die sich gerade schloss. Die Mutter, total aufgebracht, hatte natürlich nichts besseres zu tun, als anstatt auf die Notöffnung der Tür zu drücken, an der Notbremse zog. Also hieß es weitere 15 min. stehen, bis die Notbremse wieder gelöst war und der Zugbegleiter klären konnte, wieso nun an der Notbremse gezogen wurde und wer es war.
Paris erreichten wir zu einer uns bekannten Zeit - zur Abfahrtszeit des TGV nach Zürich. Völlig demotiviert und planlos, wie es nun weitergehen sollte, fuhren wir erst einmal mit der völlig überhitzen S-Bahn zum Gare de Lyon um uns von dort irgendwie in die Schweiz durchzuschlagen. Mehr wollten wir eigentlich gar nicht mehr. Wir hatten "Glück", denn es gab noch einen TGV nach Lausanne. Dieser war, wie alle TGVs in die Schweiz, reservierungspflichtig, sodass Hayo mit seinem Stoppelfranzösisch am Fahrkartenschalter versuchte zwei Reservierungen zu bekommen. Es sah auch zuerst gut aus, bis uns auffiel, dass der Schalterbeamte nur einen Platz reserviert hatte - warum auch immer. Der Zug war jedoch nicht allzu voll, also gab es keine Probleme.
Als wir gegen 23:15 Uhr, mit rund 30 min. Verspätung, in Lausanne eintrafen, hatten wir zumindest noch bis Zürich einen Anschlusszug.
Dort angekommen, mittlerweile war es nach 1 Uhr, gab es allerdings keine Verbindung mehr nach Hinwil. Wir mussten also mit dem Nachtwartesaal der SBB im Zürcher HB Vorlieb nehmen, bis morgens gegen 5 die erste S-Bahn nach Hinwil fahren sollte. Schlafen war im Wartesaal nicht wirklich möglich, da dieser nur mit Stühlen ausgestattet war und auch nicht gerade wenig Leute dort übernachteten.
Als wir dann morgens, mit rund 6 1/2 Stunden Verspätung, bei Neel zuhause ankamen, mussten wir erstmal ein wenig Schlaf nachholen, bevor der Tag weitergehen konnte.

- Karte -

 
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